Articles with abstract nouns (die Zeit, das Glück)
Definite for “abstract in general”
Im Deutschen steht bei abstrakten Substantiven häufig der bestimmte Artikel, auch wenn das Englische keinen Artikel verwendet. Dies geschieht, wenn das Abstraktum als Ganzes gemeint ist, also als bekanntes, abgegrenztes Konzept. Der bestimmte Artikel signalisiert, dass das Abstraktum als eine feste Größe behandelt wird, und er übernimmt zugleich die Markierung von Genus, Numerus und Kasus. Diese „Verdinglichung“ des Abstraktums ist ein typisches Merkmal des Deutschen und erklärt, warum Sätze wie „Die Zeit vergeht schnell.“ oder „Die Liebe ist das Wichtigste.“ den Artikel verlangen.
Eine wichtige Ausnahme bilden Sprichwörter und allgemeine Aussagen, in denen der Nullartikel üblich ist, etwa „Zeit ist Geld.“ oder „Liebe ist schön.“ Hier wird das Abstraktum nicht als abgegrenzte Größe, sondern als unbestimmte Eigenschaft gesehen. In der gesprochenen Sprache ist der Nullartikel generell häufiger, in der Schriftsprache und in formellen Kontexten der bestimmte Artikel.
- Die Zeit vergeht schnell.
- Zeit ist Geld.
set phrases
Feste Wendungen wie „zur Zeit“, „im Allgemeinen“ oder „in der Regel“ sind idiomatische Ausdrücke, deren Artikelwahl sich nicht aus der allgemeinen Regel ableiten lässt. Sie sind historisch gewachsen und müssen als Ganzes gelernt werden, ähnlich wie Vokabeln. Der Artikel ist fester Bestandteil der Wendung; ein Austausch oder eine Weglassung würde die Bedeutung verändern oder den Ausdruck ungrammatisch machen.
Eine Besonderheit ist die Verschmelzung von Präposition und Artikel, etwa „zur“ (zu + der) oder „im“ (in + dem). Diese Verschmelzungen sind in vielen festen Wendungen obligatorisch, aber nicht immer: „zu der Zeit“ ist möglich, wenn eine bestimmte Zeit gemeint ist, während „zur Zeit“ im Sinne von „momentan“ fest ist.
- Zur Zeit bin ich arbeitslos.
- In der Regel ist das Wetter hier mild.
Practical Examples
- Zeit ist kostbar. – Hier steht das Abstraktum ohne Artikel, da es allgemein und unspezifisch gemeint ist. Dies ist typisch für Sprichwörter und allgemeine Wahrheiten.
- Für die Prüfung ist die Zeit fast vorbei. – Der bestimmte Artikel steht, weil auf eine bestimmte Zeit (die für die Prüfung verfügbare) referiert wird.
- Wünschst du mir Glück? – In festen Ausdrücken wie „Glück haben“ oder „viel Glück“ steht „Glück“ ohne Artikel.
- *Das Glück, dich zu treffen, war groß.* – Hier wird „Glück“ durch den Infinitivsatz spezifiziert, daher steht der bestimmte Artikel.
- Liebe kennt keine Grenzen. – Bei allgemeinen Aussagen über das Konzept als Ganzes ist der Nullartikel möglich, besonders in festen Wendungen.
- *Die Liebe zu seiner Familie ist ihm sehr wichtig.* – Das Präpositionalattribut „zu seiner Familie“ macht die Liebe spezifisch, daher der bestimmte Artikel.
- Er hat keine Geduld mit Kindern. – Die Negation von Abstrakta erfolgt mit „kein“, das die Existenz verneint.
- Gesundheit ist wichtiger als Reichtum. – Allgemeine Begriffe in Vergleichen stehen oft ohne Artikel.
- Gibt es noch die Hoffnung auf eine Lösung? – Die Hoffnung wird durch „auf eine Lösung“ spezifiziert, daher der bestimmte Artikel.
- Viele Menschen haben Angst vor der Zukunft. – „Angst haben“ ist eine feste Wendung ohne Artikel; bei Spezifizierung steht der Artikel: „die Angst vor dem Versagen“.
- Wissen ist Macht, aber Erfahrung ist Weisheit. – Sprichwortartige Aussagen verwenden oft den Nullartikel.
- Nach einem langen Tag brauche ich die Ruhe der Natur. – Das Genitivattribut „der Natur“ spezifiziert die Ruhe, daher der bestimmte Artikel.
- Manchmal braucht man einfach Mut. – „Mut“ als allgemeine Eigenschaft steht ohne Artikel.
- *Der Erfolg des Projekts hängt von uns allen ab.* – Der Genitiv „des Projekts“ macht den Erfolg spezifisch.
- Freiheit ist ein Grundrecht. – Universelle Konzepte in allgemeinen Aussagen stehen oft ohne Artikel.